Kategorie: Music Corner

Melancholie im Wienerkleid

Diese Woche erschien das dritte Studioalbum der heimischen Exportschlager-Band Wanda. Mit vertrautem wiener Charme, Humor, einer bekannt-sympathischen Spur Grind und ganz viel Sehnsucht, reiht sich die Scheibe reibungslos in eine Reihe mit den beiden Vorgängern, auch wenn die Band eine neue Seite zeigt.

„Wir haben das Album nicht geschrieben, “Amore” und “Bussi” haben gepudert und so “Niente” gezeugt.“ meinte Sänger Marco Wanda in einem Interview mit der APA zu dem neuesten Werk der zurzeit wohl berühmtesten österreichischen Band. Tatsächlich wirkt die scherzhafte Metapher sehr treffend. Wo „Amore“ und „Bussi“ die aufbrausende, lebenshungrige Version des Rock`n`Roll der Band in den Vordergrund rückt und voll ist mit Sex, Drogen und Selbstironie, scheint „Niente“ angekommen zu sein, kurz durchzuatmen und faustisch zum vergangenen Moment zu sagen: „Verweile doch! Du bist so schön.“

Eine bisher so noch nicht gekannte Melancholie schleicht sich in das Album, gerade die Themen Kindheit und Vergangenheit, die sich schon in den vorab veröffentlichten Auskopplungen „0043“ und „Columbo“ abgezeichnet haben, stehen im Mittelpunkt des musikalisch geflochtenen Netzes aus Austropoparrangements, selbstreferenziellen Textstellen und ganz viel Wien.

So sehr die Gruppe auch bisher ein Aushängeschild für Kultur aus Österreich und vor allem der Hauptstadt war, „Niente“ ist bisher das Album, das am meisten auf die Heimat der Band verweist. Ob mit aussagekräftig benannten Songs wie „Schottenring“, „Café Kreisky“ oder „Ein letztes Wienerlied“, die die Stadt quasi unmittelbar vor dem inneren Auge auferstehen lassen, oder mit etwas weniger direkten Anspielungen wie die im klassischen Wanda-Stil immer wieder zitierte Textstelle „traurig schöne Kindheit in 0043“, die sich auf die Vorwahl für österreichische Telefonnummern bezieht, Wien scheint noch präsenter zu sein als je zuvor.

 

wanda-niente-albumcover-universalmusic-1024x1024

Das Bild, das dabei von Wien gezeichnet wird, erscheint weich und melancholisch, es ist nicht nur die Stadt, die man heute besuchen kann, sondern auch das eben so zentrale Vergangene. Ob der Verweis auf die 70er-Jahre Krimiserie „Columbo“ oder auf das Kreisky, eine der beliebtesten Kneipen der Stadt, gerade bei jungen Leuten, Wanda schafft es, die Hörer nostalgisch zurückblicken zu lassen auf die gute, alte Zeit, ohne jedoch dem Kitsch zu verfallen oder übermäßig zu romantisieren. Immer schwingt auch der versoffene, rauchende Stil, der wiener Grind mit, der gerade dieser Band anhaftet wie kaum etwas anderes –  und sie gerade dadurch so charmant macht.

Natürlich wäre es nicht Wanda, wenn nicht das eine oder andere Stück auf dem Album gäbe, das zum mitschaukeln, mitgröhlen und mittanzen einlädt. „Lieb sein“ etwa, oder die beiden mehr oder wenigen italienischen Titel auf der Scheibe „Lascia mi fare“ und „Lasciarsi è una pazzia“ (die übersetzte Version des bereits aus „Amore“ bekannten „Auseinandergehen ist schwar“) spielen in gewohnter Wanda-Manier mit eingängigen Rhythmen und gut merkbaren Texten und balancieren damit weiterhin an den Genregrenzen zwischen Schlager, Pop und italienischen Schunklern, wie etwa von Zucchero bekannt. Dabei steht es den Wienern gut, nach ihren häufigen Italien-Bezügen nun auch in der Sprache zu arbeiten, die verschiedenen Stile immer wieder aufzugreifen nur um mit ihnen zu brechen und am Ende doch wieder das zu sein, was der einzige Anspruch der Gruppe ist: Wanda zu sein.

Obwohl gelungen ist das Album jedoch nicht perfekt. Die Gratwanderung zwischen Kitsch und Nostalgie (falls die beiden denn so klar zu trennen sind) gelingt nicht immer, „Ich sterbe“ etwa oder auch die Stimmlage in die sich Marco Wanda in „0043“ zwingt wirken ein wenig dick aufgetragen und diejenigen, die die Gruppe wegen ihres Mitgröhlfaktors lieben, werden mit der Scheibe möglicherweise nicht so viel wie mit den Vorgängern anfangen können.

Wenig aufdringlich, zurückgenommen und ein bisschen nachdenklich präsentiert Wanda hier eine andere Seite, um ihre eigene Metapher aufzugreifen, vielleicht eine neue Generation, die sich der Vergangenheit bewusst ist, ohne etwas von ihrem Charme zu verlieren.

Diese kleine Wendung steht der Gruppe, denn obwohl nicht perfekt wirkt sie authentisch und lädt geradezu dazu ein, auch mal eine ruhigere Seite der Band kennen und lieben zu lernen.

 

Wie viele Menschen passen in 43 Minuten?

Vor zwei Jahren startete die elektronisch angehauchte Indieband Glass Animals mit ihrem Debütalbum Zaba kopfüber hinein in die internationale Musikszene. Mit ihrer zweiten Platte How To Be A Human Being haben die vier Jungs aus Oxford ein weiteres Mal bewiesen, wieso sie dort nicht mehr wegzudenken sind.

Man kann sagen, dass  Glass Animals mit Zaba ihren einmaligen Sound etabliert haben. Die experimentelle Mischung, aus starken Beats, exotischen Trommeln und elektronischen Sounds aller Art macht die britische Indieband unverwechselbar. Es scheint, als hätten die vier Musiker jetzt in ihrem zweiten Album (Veröffentlichung: 26. August) versucht, auch über ihren Klang hinaus neue Höhen zu erreichen, was ihnen durchaus gelingt.

How To Be A Human Being beschäftigt sich thematisch, wie der Titel bereits verrät, mit verschieden Spielarten des menschlichen Lebens, mit verschiedenen Situationen, Personen und Lagen. Hierbei schlüpft Sänger Dave Bayley gekonnt zwischen den Rollen hin und her, mal als gescheiterter Muttersohn, als Lover, Junkie, psychisch gestörte Mörderin oder Stoner Girl. So bunt wie der Regenbogen sind die Charaktere, die Bayley durch die Titel hindurch verkörpert, und mindestens so gewaltig ist die Vielfalt des Geräuschspektrums, das Glass Animals für ihrer Musik verwendet.

00602547950864_GA_CD_Digisleve-4P_110XXX.indd

Wie man es aus Zaba bereits gewohnt ist, wird unter den Händen der Gruppe Lärm zu Geräuschen und aus einer Geräuschkulisse ein ganzer Musiktitel. Die typischen Bongoklänge, die oft den treibenden Rhythmus angeben, bleiben auch in ihrem zweiten Album bestehen. Bereits der Auftakt Life Itself ist davon definiert und hypnotisiert den Zuhörer, zieht ihn quasi in die Musik und damit in einen Trip quer durch elf Leben durch.

Dass sich die Kompositionen bald von den tropischen Klängen entfernen, tut keinen Abbruch. Von sensuellen Titeln, wie Take A Slice, die von einem langsamen R&B-Beat dominiert sind, über fast psychedelische Stücke wie Season 2 Episode 3 oder Cane Shuga bis hin zu Nummern wie Mama`s Gun, einem Song über eine psychisch beeinträchtigte Ehefrau, die einen Mord begeht, ein Titel, der einem musikalisch schon die Gänsehaut hochkommen lässt, ist alles dabei. Das Spektrum kennt praktisch kaum Grenzen. Sogar a-capella-Raps wie [Premade Sandwiches], der sich mit dem verzerrten Verhältnis der Konsumgesellschaft zu ihren geliebten Gütern beschäftigt, fügen sich neben leicht funkigen Nummern wie Poplar St ein. Das soll freilich nicht heißen, dass das nahtlos geschieht. Ganz im Gegenteil, oft wirken die Wechsel zwischen den verschiedenen Lebensrealitäten abrupt, aber ich denke bei einer Gruppe wie Glass Animals kann man hier getrost von einer gewissen Absicht ausgehen.

Bei aller Experimentierfreudigkeit, über die sich die Band auszeichnet, bleiben sie sich und ihrem Stil trotzdem treu. Soll heißen: Wer Glass Animals einmal gehört hat, würde sie überall erkennen, momentan sind sie nämlich definitiv eines der Projekte mit dem höchsten Wiedererkennungswert auf der internationalen Musikbühne.

Also, wer sollte sich How To Be A Human Being unbedingt anhören? Ganz einfach: Jeder, der keine Phobie gegen Elektroelemente in seiner Neuerscheinung hat. Nicht nur bietet das Album genügend Leerstellen, um als passionierter Musikliebhaber seine Freude daran zu haben, auch diejenigen, die bloß einen Soundtrack für ihren nächsten Nachmittag mit Freunden auf der Couch suchen, werden hier fündig. Glass Animals drängt sich nicht auf, sondern fügt sich in so gut wie jede Situation ein, vergleichbar mit ähnlich veranlagten Bands (etwa Foster The People), trotzdem kann man die Platte immer wieder hören und wird jedes Mal ein neues Detail entdecken, das davor übersehen wurde.

Spannend, traurig, beängstigend, sexuell, entspannt, aufregend…ganz wie der Albumtitel es verspricht.

 

 

Gereifter Punk in Endzeitstimmung

English Version

Für viele, die in den späten 80ern und frühen 90ern geboren worden sind, werden bei dem Namen „Billy Talent“Erinnerungen an die Teenagerjahre aufkommen. Gute Nachrichten, seit heute gibt es ein neues Album.

Seit Surrender ist die kanadische Punkrock Band im Mainstream angekommen oder diesem zumindest ein Begriff. Heute, am 29. Juli 2016 ist ihr neues Album Afraid of Heights herausgekommen und auch ohne Drummer Aaron Solowoniuk (er wird momentan aufgrund seiner Multiplen Sklerose durch Jordan Hastings von Alexisonfire ersetzt) ist es eines der aggressivsten und kritischsten Werke, die die Gruppe je veröffentlicht hat.

billy-talent-tickets-2016

Zwei Jahre haben sich die Kanadier Zeit für das Album genommen und das merkt man. Nicht nur ist die Gruppe, die sich selbst im Punk einordnet, jedoch oft auch ins Alternative abrutscht, experimentierfreudiger, als noch auf dem Vorgänger Dead Silence, sie haben sich die Welt angesehen, den Kopf geschüttelt und dann mit Afraid of Heights ihren Kommentar dazu abgegeben. Mehr noch als sonst werden hier große Themen angesprochen, wie etwa die Flüchtlingskrise, die Waffenlobbys in den USA oder die US-Wahlen und wie man es nunmal von Billy Talent gewohnt ist, sind sie direkt, wütend und haben kein Problem, ihrem Ärger laut und aggressiv Luft zu machen, auch mit über vierzig.

Songs wie Big Red Gun, Ghost Boat Of Cannibal Rats (wohl eine Anspielung auf das russische Schiff, das nur noch von kannibalistischen Ratten bewohnt ziellos im Meer nahe Großbritannien herumziehen soll, ich denke die Metapher ist klar), Horses & Chariots und This Is Our War ziehen alle Kaliber und klagen bissig die sozialen, politischen und gesellschaftlichen Missstände an, mit denen wir heute konfrontiert sind. Obwohl die Gruppe sich dabei hauptsächlich auf Amerikanisch-Kanadische Politik beziehen, kann man als Europäer in den Texten von letzteren beiden nicht anders, als sich zu identifizieren. Die politische Spaltung ganzer Länder durch populistische Politiker ist nun mal in Zeiten wie diesen kein amerikanisches Phänomen und Billy Talent schafft es, einen kämpferischen Protest zu formulieren, der über die konkreten Fälle hinausgehen kann.

Doch es wäre nicht Billy Talent, wenn zwischendurch, quasi zur Auflockerung, nicht mal ein bisschen Spaß sein dürfte. So findet sich in der Verschnaufpause etwa ihre ganz eigene Hymne an klassische, „handgemachte“ Rockmusik Louder Than The DJ, was eine besondere Ironie in die Platte bringt, da die Band sich bereits ein paar Titel weiter an Synthesizern versucht und es damit schafft, ihrem eignen, schwer verwechselbaren Sound eine neue Tiefe zu geben.

So aggressiv und wütend das Album auch ist, das bereits mit einem gestreckten Mittelfinger verglichen wurde, es gibt sich und dem Zuhörer Raum um zu verdauen. Ruhigere Nummern, wie Leave Them All Behind runden das Album genauso ab, wie February Winds, eine vorerst unscheinbare Nummer, die sich jedoch schnell zu einer der ausdrucksstärksten des ganzen Albums herausstellt, wenn man einen Blick auf den Text wirft, der sich mit den Flüchtlingsschicksalen  und der Reaktion des Westens darauf beschäftigt.

Ein Protestalbum hat Billy Talent da produziert, in einem Alter, in dem man nichts neues mehr erwarten würde. Jeder Titel ist sein eigener Aufruf, aktiv zu werden und etwas an dem zu ändern, wie es gerade ist und für das zu kämpfen, was einem wichtig ist. Das, was viele Musiker bereits aufgegeben haben, nämlich eine klare Message in ihre Arbeit zu verpacken, ist den Kanadiern mit Afraid Of Heights gelungen, ohne ihren ganz eigene Klang hinter dem Text zurückzunehmen.

Dass die Gruppe inzwischen schon seit beinahe einem Vierteljahrhundert besteht, hält sie offensichtlich nicht davon ab, sich weiterzuentwickeln, neues auszuprobieren und noch einmal unter Beweiß zu stellen, was Punkrock auch heute noch kann.

Wer jetzt Lust bekommen hat, kann sich hier gleich zum Album weiterklicken:

Mature punk rock in an apocalyptic mood

Many who were born in the late 80ies and early 90ies have been accompanied by Billy Talent all the way through their puberty. Good news, they`re back and released their new album only today.

The mainstream was introduced to (or at least noticed) Billy Talent through their probably most successful song Surrender. Today, on 29th of July 2016 their new album Afraid of Heights was released and even though having to manage without their drummer Aaron Solowoniuk (who is represented for the moment by Alexisonfire`s Jordan Hastings due to Solowoniuks multiple sclerosis) the band produced one of their most aggressive and most critical works ever.

billy-talent-tickets-2016

The band took two years to work on the record an that becomes noticeable. Not only is the group, that identifies as punk although sometimes slipping into alternative styles, happy to try out new things, they also took a good glance at the world while working on the album, they shook their heads and commented on the things they saw through Afraid Of Heights. More than ever they focus on big problems, like the refugee crisis, the US elections or gun lobbying in the States. Just like we expect from Billy Talent, they find a direct and angry voice to express their resentment. All of that although being in their 40ies already.

Tracks like Big Red Gun, Ghost Boat Of Cannibal Rats (whicht seems to be a hint on a russian ghost ship that was supposed to be sailing near the UK, occupied only by cannibal rats; I think, I don`t need to mark out the symbolism in here any further), Horses & Chariots or This Is Our War point out social and political deficiencies we have to face today in a harsh and caustic way. Even though the group is of course mainly focusing on the american – canadian problems here, a european can`t fail to notice similarities. Political segregation of whole nations due to populist political leaders is a theme almost everyone in Europe should be able to identify with and Billy Talent actually manages to frame protest songs that surpass their original setting.

However, it wouldn`t be Billy Talent, if there wasn`t some fun in between all the seriousness. There is their hymn to old school „handmade“ rock music Louder Than The DJ for example. This got its own irony, considering that the group is experimenting with sythesizers just a few tracks after. Anyways, the experiment pays off and the group`s own distinctive sound is enhanced by their innovations.

In Germany, the record was already compared to a stretched middle finger and even though the album is really aggressive and cutting in its formulations, the group leaves some room to the listener to process. Softer songs like Leave Them All Behind top the record off just like February Winds which, at first sight, seems to be quite unremarkable. However, this impression changes drastically after taking some time to look at the text, that adresses the refugee crisis and Western countries reaction to it. This track is actually one of the most interesting, in my opinion.

An album of protest songs, that`s what Billy Talent released today, even though being in an age you wouldn`t expect much innovation to happen. Every track is a call to action, to change what bothers you and to fight for the important things in life. A clear message is something that many musicians, exspecially in todays mainstream media fail to express. Still the canadian group succeeded without losing their unique sound in favor of deep texts.

Being a band for almost 25 years now obviously doesn`t stop those guys to develop further, to try out something new and to prove to those who believe that punk is dead, where its actual power lies.

If you are in the mood for the record now, you can listen to it right here:

Ein Monat nach dem Getaway

English Version

Die kalifornische Rockband „Red Hot Chili Peppers“ brachte vor mittlerweile etwas mehr als einem Monat ihr elftes Studioalbum The Getaway heraus. Wie sieht es denn bis jetzt damit aus?

Die Red Hot Chili Peppers sind wohl den meisten Leuten ein Begriff, an Songs wie CalifornicationSnow (Hey Oh), Otherside, By The Way oder Under The Bridge ist schwer vorbeizukommen, ohne mit Scheuklappen und gewaltigen Wattebäuschen in den Ohren durch das Leben zu gehen.

Nach einer Pause von fünf Jahren kam am 17. Juni 2016 das neue Album der Band heraus, das sich sowohl in Österreich, als auch in Deutschland und Australien bald auf Platz Eins der Albumcharts befand. Jetzt, nach einem Monat, hält sich The Getaway weiterhin in den Top 5 (zumindest in Österreich).

thdzoqa

Trotz des offensichtlichen Erfolgs des Albums, ist es nicht so eingeschlagen, wie andere Platten der Peppers, es markiert mehr eine Abgrenzung ihres neuen Stils zu ihren vorhergegangenen Veröffentlichungen.

Man sollte sich also, beim Anhören nicht erwarten ein neues Californication, Stadium Arcadium oder By The Way vorgesetzt zu bekommen. Ganz im Gegenteil sogar. Die Peppers wirken gesetzter, vielleicht sogar reifer, was nach über 30jährigem Bestehen ja durchaus erlaubt sein muss. Die Bandmitglieder gehen mittlerweile alle auf die 60 zu und das hört man, was allerdings nichts schlechtes ist. Die Stärke des Albums ist sogar gerade, dass es viel ruhiger und sanfter ist, als die oben genannten Veröffentlichungen der Peppers.

Viel mehr als sonst, erkennt man ein Konzept hinter der Platte, einen roten Faden, der sich durch die einzelnen Songs durchzieht und sie zu einem Gesamtkunstwerk schnürt. Kaum einer der Titel hebt sich übermäßig von den anderen ab und trotzdem herrscht hohes Ohrwurmpotential vor, gerade bei Titeln wie etwa Sick Love oder The Longest Wave. Denn auch wenn das Album in einem durchzuhören, meiner Meinung nach, die beste Art und Weise ist, die Titel zu genießen und so den Gesamteindruck auf sich wirken zu lassen, können die Songs trotzdem auf eigenen Beinen stehen, ohne sich verstecken zu müssen.

Um sich also auf The Getaway einzulassen sollte man sich keine schnellen Funk-Titel erwarten, sondern viel eher milde Alternative-Songs in typischer, von starken Basslines unterlegter Red Hot Chili Peppers Manier. Oder, um es konkreter auszudrücken: das Album geht eher in die Richtung von Porcelain, Snow, Hard To Concentrate, Strip My Mind und ähnlichem, als in die von Dani California, Give It Away oder By The Way.

Wer sich damit anfreunden kann, der wird von den neuen, älter gewordenen Peppers nicht enttäuscht werden, denn The Getaway ist trotz der sanfteren Herangehensweise der Band ein solides Album, das sich nach einem Roadtrip entlang an weiten Küsten anfühlt, nach Sonne und Meer und einem entspannten Tag in der Wärme.

Wie die Red Hot Chili Peppers eben klingen, wenn sie einen Gang zurückschalten und in einen gemächlicheren Rhythmus verfallen.