Kategorie: Allgemein

Melancholie im Wienerkleid

Diese Woche erschien das dritte Studioalbum der heimischen Exportschlager-Band Wanda. Mit vertrautem wiener Charme, Humor, einer bekannt-sympathischen Spur Grind und ganz viel Sehnsucht, reiht sich die Scheibe reibungslos in eine Reihe mit den beiden Vorgängern, auch wenn die Band eine neue Seite zeigt.

„Wir haben das Album nicht geschrieben, “Amore” und “Bussi” haben gepudert und so “Niente” gezeugt.“ meinte Sänger Marco Wanda in einem Interview mit der APA zu dem neuesten Werk der zurzeit wohl berühmtesten österreichischen Band. Tatsächlich wirkt die scherzhafte Metapher sehr treffend. Wo „Amore“ und „Bussi“ die aufbrausende, lebenshungrige Version des Rock`n`Roll der Band in den Vordergrund rückt und voll ist mit Sex, Drogen und Selbstironie, scheint „Niente“ angekommen zu sein, kurz durchzuatmen und faustisch zum vergangenen Moment zu sagen: „Verweile doch! Du bist so schön.“

Eine bisher so noch nicht gekannte Melancholie schleicht sich in das Album, gerade die Themen Kindheit und Vergangenheit, die sich schon in den vorab veröffentlichten Auskopplungen „0043“ und „Columbo“ abgezeichnet haben, stehen im Mittelpunkt des musikalisch geflochtenen Netzes aus Austropoparrangements, selbstreferenziellen Textstellen und ganz viel Wien.

So sehr die Gruppe auch bisher ein Aushängeschild für Kultur aus Österreich und vor allem der Hauptstadt war, „Niente“ ist bisher das Album, das am meisten auf die Heimat der Band verweist. Ob mit aussagekräftig benannten Songs wie „Schottenring“, „Café Kreisky“ oder „Ein letztes Wienerlied“, die die Stadt quasi unmittelbar vor dem inneren Auge auferstehen lassen, oder mit etwas weniger direkten Anspielungen wie die im klassischen Wanda-Stil immer wieder zitierte Textstelle „traurig schöne Kindheit in 0043“, die sich auf die Vorwahl für österreichische Telefonnummern bezieht, Wien scheint noch präsenter zu sein als je zuvor.

 

wanda-niente-albumcover-universalmusic-1024x1024

Das Bild, das dabei von Wien gezeichnet wird, erscheint weich und melancholisch, es ist nicht nur die Stadt, die man heute besuchen kann, sondern auch das eben so zentrale Vergangene. Ob der Verweis auf die 70er-Jahre Krimiserie „Columbo“ oder auf das Kreisky, eine der beliebtesten Kneipen der Stadt, gerade bei jungen Leuten, Wanda schafft es, die Hörer nostalgisch zurückblicken zu lassen auf die gute, alte Zeit, ohne jedoch dem Kitsch zu verfallen oder übermäßig zu romantisieren. Immer schwingt auch der versoffene, rauchende Stil, der wiener Grind mit, der gerade dieser Band anhaftet wie kaum etwas anderes –  und sie gerade dadurch so charmant macht.

Natürlich wäre es nicht Wanda, wenn nicht das eine oder andere Stück auf dem Album gäbe, das zum mitschaukeln, mitgröhlen und mittanzen einlädt. „Lieb sein“ etwa, oder die beiden mehr oder wenigen italienischen Titel auf der Scheibe „Lascia mi fare“ und „Lasciarsi è una pazzia“ (die übersetzte Version des bereits aus „Amore“ bekannten „Auseinandergehen ist schwar“) spielen in gewohnter Wanda-Manier mit eingängigen Rhythmen und gut merkbaren Texten und balancieren damit weiterhin an den Genregrenzen zwischen Schlager, Pop und italienischen Schunklern, wie etwa von Zucchero bekannt. Dabei steht es den Wienern gut, nach ihren häufigen Italien-Bezügen nun auch in der Sprache zu arbeiten, die verschiedenen Stile immer wieder aufzugreifen nur um mit ihnen zu brechen und am Ende doch wieder das zu sein, was der einzige Anspruch der Gruppe ist: Wanda zu sein.

Obwohl gelungen ist das Album jedoch nicht perfekt. Die Gratwanderung zwischen Kitsch und Nostalgie (falls die beiden denn so klar zu trennen sind) gelingt nicht immer, „Ich sterbe“ etwa oder auch die Stimmlage in die sich Marco Wanda in „0043“ zwingt wirken ein wenig dick aufgetragen und diejenigen, die die Gruppe wegen ihres Mitgröhlfaktors lieben, werden mit der Scheibe möglicherweise nicht so viel wie mit den Vorgängern anfangen können.

Wenig aufdringlich, zurückgenommen und ein bisschen nachdenklich präsentiert Wanda hier eine andere Seite, um ihre eigene Metapher aufzugreifen, vielleicht eine neue Generation, die sich der Vergangenheit bewusst ist, ohne etwas von ihrem Charme zu verlieren.

Diese kleine Wendung steht der Gruppe, denn obwohl nicht perfekt wirkt sie authentisch und lädt geradezu dazu ein, auch mal eine ruhigere Seite der Band kennen und lieben zu lernen.

 

Friedhofshumor aus Wien

Wem Dolichotis nichts sagt und bei der Erwähnung den nächsten Tab zückt, der sollte sich an dieser Stelle gleich darauf einstellen, dass ich nicht unter die Biologen gegangen bin und daher nicht die auch „Mara“ genannten Pampahasen aus Argentinien meine, wenn ich den diese Anrede im weiteren Verlauf verwende. Im Gegensatz zu den Nagetieren mit direkter Verwandtschaft zum Meerschweinchen, ist Dolichotis nämlich nicht in Argentinien verbreitet, sondern im Internet, genauer gesagt auf einem kleinen Blog aus Österreich, der für alle Literaturbegeisterten experimentelle und erfrischende Kurzgeschichten bereit hält, wie zum Beispiel Regen mit i.

Regen mit i ist der Name des jüngste veröffentlichte Texte von Dolichotis und erzählt von einem Gedanken, mit dem bestimmt die meisten schon einmal gespielt haben: Sex im Freien. Die Ortswahl ist jedoch etwas untypischer und wienerischer als etwa der Strand oder der Wald. Konkret geht es nämlich um Sex auf einem Friedhof.

Was die Geschichte so ungeheim unterhaltsam macht, ist die Art, wie Dolichotis jeglichen makaberen Friedhofsflair oder lustvoll-idealisierte Sexfantasie mit unerwartetem Pragmatismus begegnet. Von einem durchsichtigen Zelt über ein Fliegengitter am Eingang eines Familiengrabes geht die Erzählstimme alle Möglichkeiten durch, wie man diverse Hinderungsmöglichkeiten am Vorhaben eliminieren könnte.

Der trockene, ernsthafte Ton der Geschichte fängt den Leser sofort ein, verzichtet jedoch darauf, obwohl es um Geschlechtsverkehr geht, in Kitsch und Überschwänglichkeiten zu verfallen, was auch gar nicht nötig ist. Die Ernsthaftigkeit, mit der die äußeren Umstände  beschrieben, durchdacht und verworfen werden, führen viel näher an das Thema heran, als detaillierte Beschreibungen es könnten.

Der Rückzug von allem Sexuellen erzeugt erst das humorvoll-ulkige Gefühl, das die Umstände eines Geschlechtsverkehrs (im Freien) viel eher und unverfälschter einfängt, als wir es heute von Hollywoodschnulzen, rechtschreibfehlerdurchfressenen Liebesromanen oder auch der Pornoindustrie kennen. Es vermittelt genau das, was dieser Vorgang im Endeffekt wäre: unbequem, lustig, ein wenig gestresst und definitiv peinlich und insektenzerfressen.

Der feine Humor, der hinter jeder nüchternen Zeile steht, macht diesen kurzen Text in ein paar Zeilen zu einer willkommenen Ablenkung von allen anstrengenden Gedanken, die einem so im Kopf herumspuken. Durch seinen Stil, der an einen Inneren Monolog oder Stream of Consciousness erinnert, also eigentlich mehr eine Assoziationskette ist, als ein herkömmlicher Prosatext, findet der Text schnell seinen Weg in die Aufmerksamkeit des Lesers und durch seine Kürze schafft er es, diese Aufmerksamkeit auch zu halten.

Wer also Lust auf einen experimentellen Blogausflug hat, dem empfehle ich, Regen mit i auszuprobieren und sich hier vielleicht ein neues Abonnement für gelegentliche Unterhaltung aus einer sozusagen „feinen Feder“ zu holen. Unter: https://dolichotinae.wordpress.com/2016/09/10/regen-mit-i/ findet ihr den ganzen Text.

Enjoy!

Orpheus and Kama or how to relate the migration of Rock`n` Roll on 600 pages

Music and myth in Salman Rushdie’s The Ground Beneath Her Feet

The Ground Beneath Her Feet is Salman Rushdie’s seventh novel and, simply put, it deals
with the lifelong love story of two fictional Indian musicians, Ormus Kama and Vina Apsara.

To speak briefly about form: the text flows from the perspective of a first person narrator,
Urmeed Merchant, called Rai, a childhood friend and longtime lover of Vina Apsara. But as
one often finds in the case of tightly structured creations such as Rushdie’s, there are one or
two additional levels of meaning behind every name and notion, especially in the case of
those adopted from Sanskrit. Here, the names of the three main characters, Ormus Kama,
Vina Apsara and Urmeed “Rai” Merchant already provide the first hint to the two myths
Rushdie chose as framework for his novel: the Greek saga of Orpheus and Eurydike on one
hand and the Indian story of Kama and Rati on the other. But first things first. If one just sticks to the names of the three protagonists, they reveal this:

  • Ormus is one of the names of an ancient Persian creator deity. There is also an onomatopoeic affinity between Orpheus and Ormus.
  • Kama means “desire“ and is the name of the Hindu god of love.
  • Vina is derived from the Indian stringed instrument veena.
  • Apsara signifies a nymph in Sanskrit, such as Eurydike
  • Urmeed means “hope“, it gives us a glimpse into his character, especially in view of his
    relationship with Vina.
  • Rai means “king“, it could be the first allusion in the text to a musician, namely Elvis Presley, the “king.”

Even if one just were to follow the bread crumbs laid out by Rushdie through the names of his
characters, one can readily identify Ormus as a creator and as a representative of superior
love. In fact, the text presents him as the creator of all modern music who already prior
to their publication, knows the sound of several pieces to be released. As an infant, his fingers already do guitar riffs and when he sings in his crib, the birds fall silent, spellbound by his song. In his relationship with Vina he is the one who sacrifices all to her, is faithful to her and even repeatedly lives a chaste life for years to prove his love to her.

Vina Apsara’s name, on the other hand, points much rather to the Greek cultural sphere, both
by mentioning the stringed instrument (Orpheus plays the lyra, the Greek equivalent to veena)
and by immediate reference to the nymph Eurydike. But in a further step one may also detect Rati behind “apsara” since nymphs are presented as physical and highly sexual beings. If
Kama and thereby also Ormus represents superior, selfless and heroic love in this novel, then
Rati, the goddess of pleasure, and also Vina are the bodily flip side of the same coin. Vina’s
elevated libido gives expression to the two legendary figures rooted in her character,

But why exactly these two tales? The universally known saga of Orpheus and Eurydike does,
of course, readily offer itself to an author of a novel on music based on ancient legends, but
why exactly did Rushdie decide on Kama and Rati as its counterpart?

The answer to this question is the vision of the ride to hell, a principal theme in both stories.
On one hand, Orpheus the singer strives to recover his wife from Hades and fails miserably,
while on the other hand, Kama is killed by Shiva and reawakened by his wife Rati.

Perusing the novel for rides to hell, we quickly discover three central “nether worlds” Ormus
visits to save Vina, but in true Orpheus mode, he always fails while his beloved has the ability
to save him. Ormus’ first trip to hell is his emigration from India to England to find Vina who
already left the country years earlier. While Ormus manages to work on his career and
contribute to the rock ‘n’ roll revolution on ship-based pirate radio stations, he still faces
loneliness and racism, lives apart from his family and experiences a great deal of isolation.
His next ride to hell begins for Ormus when he suffers a car accident putting him into a coma
for years, only to be reawakened by Vina. But by this accident, Ormus turns blind on one eye
to the world he lives in, well in accordance with magical realism, and in exchange he gains
insights into a parallel world that exists with a bit of time delay (and which turns out to be our
reality over the course of the novel). This access to a different world further isolates Ormus
although he lives with Vina in America throughout subsequent years, forms a legendary band
with her and earns a fortune. But, on the contrary, he succumbs to increasingly deeper
depression and distances himself more and more from Vina, not only privately but also
professionally (this becomes apparent in the description of the performances of their band
“VTO” where, as a result of hearing damage, he can only appear on stage in a glass case
secluded from the other members of the band). This second ride to hell turns into a third one
when Vina suddenly disappears in an earthquake. Thereafter, Ormus wastes away completely,
he develops a drug dependency and keeps searching for the original among the many doubles
of his long-deceased wife. Again he is saved from this hell by Vina, or at least from a woman
dressed like her, who shoots him.

If one leaves the realm of myths and concentrates on the meaning of music in the text, it
becomes apparent that two artists are merged into the character of Ormus: John Lennon and
Brian Wilson. The novel appropriates entire passages from the life of these two musicians.
Wilson, for example, is said to have exhibited enormous musical talent already at few months
of age, had a tyrant father and was deaf in one ear. Both have a habit of hearing voices, by
their own testimony (even if, by the novel’s logic, they are not imaginary in the case of
Ormus), entire stories from Wilson’s life were adapted into the novel and so forth. Just like
John Lennon, Ormus takes up baking bread in order to relax. He, too, is threatened with deportation from America because of overly critical lyrics, and just like the historic original,
he is shot in front of his New York domicile bordering Central Park.

Ormus Kama is not just the nominal creator of this music, his character is based on two of the
most important musicians of the twentieth century that are, on top of it, two of the most
formative influences on rock ‘n’ roll and pop. In that sense, Ormus may even be viewed as an allegory of the development of rock music, which, in Rushdie’s view, jibes with the migrant
history of his protagonist.

Migration, disorientation and racism are central topics that run like a common thread through
Rushdie’s writing, and this becomes especially apparent in his use of rock’ n’ roll music to
represent isolation and the “in-between” a migrant finds himself in. From a historic vantage
point, rock n’ roll was a transgression of borders, born from a sense of displacement, a
mixture of multiple different influences that first had to struggle for recognition. Thus one
may easily find a history of migration in rock music, as personified by the character of Ormus Kama in this novel. According to Homi Bhabha, the “in-between” where a migrant finds
himself is the place where culture may emerge because this very “non-fitting- in” at a “ non-
place” is what is needed to create something genuinely new. So, Ormus Kama only starts to
explore his potential as a result of migration and he manages to write music that changes the
world.

Thus, the text is much less about a style of music than about questions of culture and its
creation, and cultural affinity – topics one comes across quite frequently in Rushdie’s oeuvre.
To put it in his own words: “This book is not a novel about rock`n`roll, but an attempt to
respond to the evolution of world cultures in the last half century” (Rushdie in Le Monde).

In fact, one of the few songs written out in full that Rushdie integrated in his novel has been
set to music by U2. If one is interested in intermediality, it is worth listening to since the band
actually captured the spirit of the book rather well. Lyrics barely differ from the original text
but it is still worth comparing the two (aside from the fact that Salman Rushdie is featured in
the music video). So, here, for good measure, are Rushdie’s text and U2’s song:

„All my life, I worshipped her.

Her golden voice, her beauty`s beat.

How she made us feel, how she made me real, and the ground beneath her feet.

And now I can`t be sure of anything, black is white and cold is heat; for what I worshipped stole my love away, it was the ground beneath her feet.

She was my ground, my favorite sound, my country road, my city street, my sky above, my only love, and the ground beneath my feet.

Go lightly down your darkened way, go lightly underground, I`ll be down there in another day, I won`t rest until you`re found.

Let me love you true, let me rescue you, let me lead you where two roads meet. O come back above, where there`s only love and the ground`s beneath your feet.“ (S. 475)

The manifold flaws of adapting books for film

When it was launched, Carol was honored with just about every major motion picture award. But a brief comparison with the novel is a direttissima to disillusionment.

CAROL

When Todd Haynes‘ lesbian drama Carol was released at the box office, it was celebrated as a breakthrough of queer cinema. One could not avoid the movie even if one tried. Many did not realize that the box office hit was based on a novel by American author Patricia Highsmith. Those who indulged in the text after consuming the film may well have been abjectly disappointed.

That is because, contrary to Haynes’ film version, The Price of Salt, as Highsmith’s original was actually titled, is no family and marriage drama with lesbian undertones. Rather, it may be viewed as a coming-of- age novel that, in accordance with the American woman author’s psychologizing literature, placed hardly any emphasis on kitsch and drama.

When it comes to comparing it to the novel, the movie’s strengths are also its weaknesses, especially looking at the portrayal of the two protagonists, especially Carol. The text is written from Therese’s perspective, a 19-year- old stage designer who experiences her first great love with a woman and becomes an adult through the complications of their togetherness.

The character of Carol, although it obviously occupies Therese’s thinking, remains largely in the shadows. Only belatedly, the reader learns of her family life from dialogs, and at times, there are even doubts about the narratrix’ credibility. Never until the end of the novel does Carol’s mythical shell suffer any cracks. It is not necessary because the text is not focused on her. Much rather, Highsmith discovers the character of Therese than that of her lover, she is curious how an almost unfeeling young girl starts to develop a will of her own and to evolve her dimensions, not about a bisexual woman with a troubled divorce. Highsmith deserves great credit for never portraying Carol as a lesbian but always as interested in both sexes. That is by no means par for the course in light of widespread marginalizing of bi- and pansexual people even today.

Precisely by concentrating on Therese and intentionally avoidance of delving too deep into Carol’s life, Highsmith prevents the accrual of kitsch. Her text becomes all the more realistic the more she stays away from Therese’s lover. Just the thoughts of the 19-year- old create the urgency the reader senses despite slow development of the relationship between the two women. One can follow young Therese’s coming of age safely without getting bored, despite great romance, and therein precisely lies the novel’s strength. It is only by Therese’s separating from Carol and her independence that the playing field between the two is evened out, that the dependent relationship between them as it occurred in the beginning is busted open and at the point where two free and adult people meet, togetherness becomes workable. This final conclusion is something quite a few contemporary novels would do well to coopt from this book from the 1950s.

By contrast, the movie focuses much more on Carol and her life as a “lesbian“ woman in a marriage that involves as child. The portrayal of Therese almost disappears behind Carol whose problems with divorce, outing and family are the story line’s principal focus. Whenever Therese’s life is shown, it is overfraught with symbolism and a great deal of kitchen table philosophy about “love.” Her side of the story is suddenly painted with a kitschy hue so that the conversations between the two assume an unintended degree of Pathos carefully avoided in the underlying novel. One could argue that Haynes, not a bad director, wanted to emphasize the other side of the story, that is, Carol’s, and this could turn out to be quite an interesting supplement to the text – but not at the price of turning most of the novel’s beneficial properties into their opposite.

This is not to say that the movie per se was not done well, quite the opposite. Blanchett and Rooney Mara give commanding performances, the flick is esthetically interesting, the color scheme applied throughout the film is fascinating. Nevertheless, it tries to hard to be an art – house film without actually rising up to this ambition. Its theme is too commercial (a fact also based on the chosen focus), too direct in its symbolism (think of the use of photography or the importance of the location of “Waterloo” in the movie) and too dramatic in its story line. It does not suffice that Carol breaks up with Therese to be able to see her daughter, no, she also needs to have psychotherapy. Not enough that Therese may not have contact with Carol, there have to be scenes of Carol crying and desperate conversations about their relationship so that even the last viewer understands just HOW sad and tragic things are being done to them.

This exaggeration deprives the movie of the potential it would have had by virtue of the novel, its fundamentally non-commercially oriented director, the actors and many additional factors. It is a pity that not more was made of that, and I happen to believe that playing a bit less on the melodramatic note would not have hurt the movie’s success, even at the box office.

One month after the Getaway

The californian rock group „The Red Hot Chili Peppers“ has released their 11th studio album The Getaway one month ago. How is it working out so far?

The Red Hot Chili Peppers are known with most people because of songs like Californication, Snow (Hey Oh), Otherside, By The Way or Under The Bridge, that are hard to ignore without cutting out most of the surrounding world.

After a break for 5 years, the new album was released on 17th of June, 2016. In Austria as well as in Germany and Australia the record immediately reached number one in the charts. Now, one month later, The Getaway is still in the Top 5 (at least in Austria).

thdzoqa

However, even with the record being relatively successful, it didn`t strike like earlier works by the Peppers. Actually, one could see the new release as sort of a break with foregone albums.

So, when listening to The Getaway one shouldn`t expect a new version of Californication, Stadium Arcadium or By The Way. To the contrary, the band seems calmer, sort of mellow even, which should not be surprising after 30 years in the business. The band members are all between 50 and 60 now and that is something you can feel while listening to the record. This doesn`t do any harm to the album, though. Its gentleness is its strength, really.

More than ever, there is a concept that can be heared on the record, like a red string connecting one song with the next.just to lace it into a complete artwork. There are no special amplitudes to the songs, they are all on one level, so to speak. Still, there are many catchy tunes to be found on the record, like Sick Love or The Longest Wave. In my opinionthe best way to listen to The Getaway is to listen to the album as a whole, so one can enjoy the concept, but this doesn`t mean that the single tracks can`t hold their ground taken one by one. Every single song can be listened to individually and it`s still impressing.

To get oneself into The Getaway, one should not expect fast funk songs but soft alternative tracks that comprise the bass-focused sound of The Red Hof Chili Peppers.To be concrete, the record sounds more like Porcelain, Snow, Hard To Concentrate, Strip My Mind and other mellow pieces than like Dani California, Give it Away or By The Way.

Those who can warm to a new, older version of the Red Hot Chili Peppers wont be disappointed by The Getaway, which is a solid record even though it passes on funky songs. It`s a record that feels like a roadtrip down the coast lines, like sun, waves and simply a relaxing day in summer.

So, basically, what the Chili Peppers sound like, when they put on a relaxed, unhurried rythm.

Belgian waxwork

In Leopoldmuseum, Vienna you can visit the exhibition „Suture“ by the belgian sculptress Berlinde de Bruyckere.

The name of Berlinde de Bruyckere is well known since the Biennale of 2003 and at the moment, she is one of the most famous sculptors alive. „Suture“ is her first solo exhibition in Vienna and, just like most of de Bruyckere`s work, it is all about the beauty and vulnerability of the human body.

The exhibits are mostly waxwork that explores the corpse in different positions and emotions in a kind of abstract way. The figures poses generate almost physical pain and an intimacy that is barely bearable.

bruyckere4

The sculptures are asking about the relation between life and death, their intimacy and provocation are often even repulsive. One part of the exhibition is, for exemple, a horse sewed out of animal skin. Another one is a piece out of riding tools made from leather and some body parts out of wax.

So, the „seam“ which gives this exhibition its name, is literally part of the bits and pieces the artist is forcing together as well, as it is part of the frontiers, de Bruyckere is showing and surpassing. A seam is also a symbol for something, that was cut open and fixed again, so all that remains as scar are the stitches. You see, the artists work and the title of the exhibition are giving great oppurtunities for interpretation.

You could describe „Suture“ as intimidating, an exhibition one has to get used to. I can imagine that de Bruyckere`s art is not made for everybody. The sort of existential touch to her work is neither pretty nor pleasant, but it can strike a chord, if you are willing to give it a try.

The exhibition is still on until 5th of september 2016 in Leopoldmuseum.

Ein Monat nach dem Getaway

English Version

Die kalifornische Rockband „Red Hot Chili Peppers“ brachte vor mittlerweile etwas mehr als einem Monat ihr elftes Studioalbum The Getaway heraus. Wie sieht es denn bis jetzt damit aus?

Die Red Hot Chili Peppers sind wohl den meisten Leuten ein Begriff, an Songs wie CalifornicationSnow (Hey Oh), Otherside, By The Way oder Under The Bridge ist schwer vorbeizukommen, ohne mit Scheuklappen und gewaltigen Wattebäuschen in den Ohren durch das Leben zu gehen.

Nach einer Pause von fünf Jahren kam am 17. Juni 2016 das neue Album der Band heraus, das sich sowohl in Österreich, als auch in Deutschland und Australien bald auf Platz Eins der Albumcharts befand. Jetzt, nach einem Monat, hält sich The Getaway weiterhin in den Top 5 (zumindest in Österreich).

thdzoqa

Trotz des offensichtlichen Erfolgs des Albums, ist es nicht so eingeschlagen, wie andere Platten der Peppers, es markiert mehr eine Abgrenzung ihres neuen Stils zu ihren vorhergegangenen Veröffentlichungen.

Man sollte sich also, beim Anhören nicht erwarten ein neues Californication, Stadium Arcadium oder By The Way vorgesetzt zu bekommen. Ganz im Gegenteil sogar. Die Peppers wirken gesetzter, vielleicht sogar reifer, was nach über 30jährigem Bestehen ja durchaus erlaubt sein muss. Die Bandmitglieder gehen mittlerweile alle auf die 60 zu und das hört man, was allerdings nichts schlechtes ist. Die Stärke des Albums ist sogar gerade, dass es viel ruhiger und sanfter ist, als die oben genannten Veröffentlichungen der Peppers.

Viel mehr als sonst, erkennt man ein Konzept hinter der Platte, einen roten Faden, der sich durch die einzelnen Songs durchzieht und sie zu einem Gesamtkunstwerk schnürt. Kaum einer der Titel hebt sich übermäßig von den anderen ab und trotzdem herrscht hohes Ohrwurmpotential vor, gerade bei Titeln wie etwa Sick Love oder The Longest Wave. Denn auch wenn das Album in einem durchzuhören, meiner Meinung nach, die beste Art und Weise ist, die Titel zu genießen und so den Gesamteindruck auf sich wirken zu lassen, können die Songs trotzdem auf eigenen Beinen stehen, ohne sich verstecken zu müssen.

Um sich also auf The Getaway einzulassen sollte man sich keine schnellen Funk-Titel erwarten, sondern viel eher milde Alternative-Songs in typischer, von starken Basslines unterlegter Red Hot Chili Peppers Manier. Oder, um es konkreter auszudrücken: das Album geht eher in die Richtung von Porcelain, Snow, Hard To Concentrate, Strip My Mind und ähnlichem, als in die von Dani California, Give It Away oder By The Way.

Wer sich damit anfreunden kann, der wird von den neuen, älter gewordenen Peppers nicht enttäuscht werden, denn The Getaway ist trotz der sanfteren Herangehensweise der Band ein solides Album, das sich nach einem Roadtrip entlang an weiten Küsten anfühlt, nach Sonne und Meer und einem entspannten Tag in der Wärme.

Wie die Red Hot Chili Peppers eben klingen, wenn sie einen Gang zurückschalten und in einen gemächlicheren Rhythmus verfallen.

Damaskus im historischen Mosaik

English Version

Wer eine andere Seite von Syrien kennenlernen will, sollte sich die Zeit nehmen und sich über Rafik Schamis Wälzer “Die dunkle Seite der Liebe“ trauen.

Für alle, denen der Name Rafik Schami nichts sagt, erwähne ich hier kurz, dass es sich um einen der wichtigsten postkolonialen Autoren des deutschen Sprachraums handelt. Wieso dieser Mann und das Buch, um das sich dieser Artikel dreht, auch für Leute interessant sind, die sich nicht unbedingt für Literaturgeschichte und -theorie interessieren, liegt daran, dass sich in seinem Roman die Möglichkeit bietet, über ein halbes Jahrhundert syrischer Geschichte mitzuerleben.

“Die dunkle Seite der Liebe“ schreckt auf den ersten Blick durch den Umfang des Texts ab. Tatsächlich muten die mehr als 1000 Seiten des Buchs zuerst einmal wie ein Jahrhundert-Leseprojekt an, kaum ist man aber an den ersten paar Kapiteln vorbei und somit eingewickelt, in Schamis Geschichtennetz, wünscht man sich, dass der Text nicht mehr aufhört.

Schami ist bekannt dafür, in seinen Büchern die berühmt-berüchtigte arabische Erzählkultur aufleben zu lassen, was “Die dunkle Seite der Liebe“ trotz einer klaren Rahmenhandlung zu einem Meer aus kleinen Geschichten werden lässt. Anhand der strukturgebenden Erzählung der Stammesfehde zwischen den beiden Familien Muschtak und Schahin und vor allem der Liebesgeschichte à la Romeo und Julia zwischen zweien ihrer Mitglieder, deckt Schami über ein halbes Jahrhundert syrischer Vergangenheit ab. Von der französischen Kolonialherrschaft, über die Unabhängigkeit bis zu den diversen Militärdiktaturen kann der Leser mitverfolgen, wie sich das Land, das ja beinahe täglich in den Nachrichten ist, dahin entwickelt hat, wo es heute ist.

Als wäre das nicht genug, beschreibt Schami nicht allein seine Protagonisten, sondern nimmt auch mal Abzweigungen, verliert sich in kleinen Alltagsgeschichten von Nebenfiguren und spinnt so ein dichtes Netz an Erzählungen, die zusammen ein sehnsüchtiges Bild von Damaskus, Syrien und der Pluralität der arabischen Gesellschaften ergeben. Zwar dringt durchaus auch Kritik des Exilautors an den strikten Regeln und Gesetzen und den Religionskonflikten, die ihn selbst zwangen, das Land zu verlassen, durch, aber gerade das macht das Mosaik, das er entwirft, so stimmig.

Das Gefühl, das der Autor der Leserschaft von seiner Heimat vermittelt, ist nicht verklärt, das Bild ist nicht perfekt und einige Steine des Mosaiks sind angekratzt und zerbrochen, vielleicht auch falsch bemalt. Viel mehr ist sich Schami der Fehler und Ungereimtheiten der Region bewusst und geht abgeklärt daran, uns diese Welt zu zeigen, was nicht bedeutet, dass er findet, dass man ihr den Rücken kehren sollte.

Schami hat hier eine eindringliche Liebeserklärung an Syrien und Damaskus geschrieben, einer Welt, die erstaunlich erschreckend, verzaubernd wunderlich und auf verträumte Weise niederschmetternd real ist. Das Märchenhafte, das auf die geschickteste Art mit dem brutalen Alltag eines zerrissenen Landes verwoben wird, macht “Die dunkle Seite der Liebe“ zu einem so eindrücklichen Roman, dass man sich im Nachhinein schwer von seinem Zauber losreißen kann.

Gerade heutzutage sollte man sich wohl über den Tellerrand beugen und sich die Zeit für einen Schmöker wie diesen nehmen, um einen Ausflug in die Mentalität und Geschichte eines Staates zu machen, der als eine der größten, existenten Problemzonen vermutlich noch die nächsten paar Jahre Politik und Medien dominieren wird.

Traut euch einfach und schlagt mal die erste Seite auf. Ihr werdet es nicht bereuen, das garantier ich.